Wer sich mit Filmtheorie auseinandersetzt, der kommt nur selten an Literaturtheorie vorbei. Manche hassen – ich liebe – es! Das Verhältnis zwischen Film und Buch, zwischen Bild und Text könnte kaum interessanter sein. Nein, ich meine jetzt nicht die Diskussionen irgendwelcher Schnarchnasen mit prinzipiellen, meist völlig banal und unsinnig begründeten Hollywood-Hass, die über einen fast schon eingebauten Automatismus verfügen, der auf Knopfdruck „Das Buch ist aber viel besser!“ von den Lippen fliegen lässt. Diese Aussage ist so originell wie ein schwarzer Block auf einer Antifa-Demo. Natürlich, es trifft in vielen Fällen ja zu. Aber das Buch ist eben auch ein Medium mit anderen Möglichkeiten. Die Zeit des Buches kann der Film nie einholen. Die Fernsehserie hat hier einen ungeschlagenen Vorteil, und Konzepte wie 24 haben versucht sich ganz und gar dem Timegap zu widmen. Mit Büchern hat das aber immer noch nichts zu tun. In den meisten Fällen liegt dem Film eine literarische Vorlage zu Grunde, aus der dann Text Nummer zwei wird, das Drehbuch. Und der Erzähler, der uns dann von der Leinwand begegnet, nun, der kann eine fast unüberschaubare Erscheinung haben.
Harold Crick (Will Ferrell) ist der Held in “Stranger Than Fiction”. Crick führt ein Leben, dass man wohl kaum als eines auf der Überholspur bezeichnen würde. Crick ist Steuerprüfer in einem grauen Großraumbüro. Crick zählt sein Leben und das seiner Mitmenschen. Und eines Mittwochs hört Crick plötzlich die Stimme einer Erzählerin. Jeder Schritt, den er tut, wird vorgelesen, jeder Dialog eingebettet. Eine grandiose Idee! Harold Crick ist nicht nur Steuerprüfer, er ist plötzlich Held eines Romans. Verrückt! Die literarische Ausarbeitung seines Lebens führt Crick nun zu Psychologen und letztlich zu Literaturprofessor Jules Hilbert (Dustin Hoffman). Der Roman, dessen Held Crick ist, hält eine unangenehme Tatsache für Crick bereit – er wird am Ende sterben. Nur leider erfährt Crick nicht viel mehr als das. So gilt es herauszufinden, um welche Art Roman es sich wohl handelt, eine Tragödie oder eine Komödie. Und als würde es nicht besser passen, trifft Crick auf eine Revoluzzerin wie man sie sich nicht besser vorstellen könnte. Ana (Maggie Gyllenhall), eine Bäckereibesitzerin, an den Wänden hängen „Food not Bombs“-Plakate, in die sich Crick, dessen Leben sich auf der Suche nach seinem Stoff grundlegend ändert, verliebt. Die Wandlungen in Cricks Leben sind fast schon fantastisch. Genau hier aber wird das erzählerische Konzept so interessant, denn das was wir sehen ist im Wesentlichen das, was die an Schreibblockade leidende Autorin Kay Eiffel (Emma Thompson) im entstehenden Roman „Death and Taxes“ zu Papier bringt. Auf der Suche nach seinem Tod treffen Autor und Romanheld dann zusammen.
Marc Forster ist mit „Stranger Than Fiction“ ein wirklich bemerkenswerter Film gelungen, dessen erzählerisches Metakonzept durchaus funktioniert. Es funktioniert nicht nur wegen dem gekonnten Spiel der verschiedenen Fiktionen, Cricks Wandlung würde Seiten füllen, sondern vor allem durch die Ruhe die Forster erzeugt. Ein Kunststück, dass Forster schon mit viel aufregenderen Themen beherrschte wie in Monsters Ball. Dabei verlässt sich Forster auf Größen wie Dustin Hoffmann, der Gilbert hervorragend arrogant und menschlich gibt, sowie Emma Thompson als neurotische Autorin in Schaffenskrise. Bemerkenswert ist vor allem aber die Wahl der Hauptrolle, die auf Will Ferrell fiel. Wer schon die inhaltliche Parallele zu „The Truman Show“ sieht, der entdeckt sie in der Wahl der Hauptrolle wieder. Zwei hervorragende Komödianten geben sich in beiden Filmen in sehr gedeckten Charakteren – Jim Carrey als Truman Burbank und nun eben Ferrell als Crick. Ferrell ist aus dem Komödiengeschäft nicht wegzudenken. Einer der ganz Großen von „Saturday Night Live“ (unvergessen Ferrells George W. Bush Imitation), und Teil der berühmt-berüchtigten Frat Pack-Truppe, bestehend aus den Schauspielern Ben Stiller, Owen Wilson, Luke Wilson, Vince Vaughn, Steve Carell und Jack Black. Aus dieser illustren Truppe stammen großartige Komödien wie Zoolander, A Night At The Roxburys und jüngst Blades Of Glory. Das Ferrell auch ohne diesen ganz speziellen Humor brilliert beweist Stranger Than Fiction voll und ganz, ein Film ohne Klamauk und ohne große Gags. Ein ruhiger, freundlicher Film, der irgendwie auch von der Suche handelt. Dass es nebenbei einen tollen Soundtrack gibt, sowie Wahrheiten über Gitarren, gibt dem Film die letzte Würze.