Manchmal ist weniger mehr. Das gilt manchmal schon bei der reinen Äußerlichkeit des Plattenkaufs. Die flennende Industrie hat zumindest in Teilen erkannt, dass es heute einfach nicht mehr ausreicht, die vom virtuellen, kostenfreien Angebot übersättigte Kundschaft mit einer kleinen, dürftigen CD zu angeln. Nee, und das funktioniert auch immer seltener beim normalen Schallplattenkäufer. Durch die Weitsichtigkeit des einen oder anderen Labels wird nun vor allem der Vinyl-Käufer belohnt. Wer hätte das gedacht, nachdem die Schallplatte immer mal wieder zu Grabe getragen wurde. Es gibt sie heute immer öfter mit Download, oder gleich noch eine CD dazu. Wer da nicht zuschlägt, muss bekloppt sein. Die Schwierigkeit des Vinyl-Mediums wäre damit dahin, jetzt ist es wirklich Zeit doch auf den schwarzen, chemikalisch hochgiftigen Tonträger umzusteigen. Die stilvolle Scheibe im Regal, der Download läuft im iPod. Rock’n’Roll 2.0. Interpol haben alles in die Waagschale geworfen und sich materiell etwas übernommen. Das führt zunächst zu einem Preis, bei dem ich erstmal kräftig schlucken musste. Wer sich Interpol 2007 auf Vinyl gönnen will, der muss tief in die Tasche greifen – knapp unter 30 Euro wechseln in die Hände von Capitol Records. Dafür bekommt man eine Doppel-LP, eine CD – das ganze aus derartig fettem Papier, dass der Gatefold an den Nähten platzt. Manchmal ist weniger mehr. Aber sieht eben toll aus. Beim Layout hat die Band diesmal alles gegeben – eine der best aussehendsten Platten, die nun in meinem Regal schlummern. Und genau das wird sie dort vor allem tun, um es schon mal vorweg zu nehmen.
Interpol, dass war die Band, die mit Turn On The Bright Lights 2002 eine düstere, sterile Platte ablieferte, bei der sich die Band vor allem im verregneten Manchester bediente. Aber ich will das hier nicht noch mal durchkauen. Halten wir fest, eine tolle Platte, tolle Melodien, toller Sänger – Punkt! Natürlich, unvermeidlich folgten Nachmacher und schon waren Interpol eine stilbildende Ikone, beklatscht von der Musikpresse und von frischen Bands wie Bloc Party so schnell an die Wand gespielt, dass einem schwindlig werden konnte. Aber viel mehr als das war da ja auch nicht. Turn On The Bright Lights ist insgesamt so rund, das sie auch an der Wand eine gute Figur macht. In musikalischer Hinsicht waren Interpol einer völlig anderen Generation verpflichtet. Bloc Party wagten es tatsächlich mal was ansatzweise neues an die Oberfläche zu schaufeln, und hatten dabei sogar Erfolg. Danach kam Antics, eine Platte, bei der die Band ganz bei sich selbst blieb. So sehr, dass es kaum Sinn macht sich der Platte länger zuzuwenden. Vielleicht war es der Schatten vom Erstlingswerk?! Was auch immer, nun Chance Nummer drei. Our Love To Admire liegt also auf meinem Plattenteller, und langsam gelingt es mir hinzuhören und den Preis zu vergessen. Immer wieder halte ich mir selbst das Artwork vor die Nase, wie schön! Wie schön, dass wenigstens etwas an dieser Platte großartig ist. Interpol gelingt ein passabler Einstieg mit Pioneers To The Falls, und The Heinrich Maneuver ist eine tolle Single, aber das war es dann auch schon. Die Band behält ihre typische Sterilität, aber Interpol schaffen es nicht Hitze im sterilen Raum zu erzeugen. Das machte Turn On The Bright Lights aus, man konnte sich fast jeden Song in einem schwitzigen Club vorstellen, draußen Regen und drinnen glotzen alle konsterniert, tragen Anzüge und sind dabei arschcool. Our Love To Admire tröpfelt müde dahin, auch wenn die Produktion dem Sound mehr als angemessen scheint, dabei bleibt sich die Band im Songgerüst durchaus treu – ohne dass auch nur irgendwas im Ohr hängen bleibt. Welch eine Enttäuschung. Und nun, ich hasse es, aber es muss sein. Das haben nun ausgerechnet die Editors besser gemacht. Ich hasse den Vergleich. Ich hätte ihn am liebsten nicht gebracht, aber die äußerst dürftige Vinyl-Variante von An End Has A Start der Band aus Birmingham brilliert nun vollends gegen die Interpol New Yorks. Die Musikstudenten (Editors) setzen eher an den Anfängen von Interpol an, aber sie bringen eben eine viel eigenartigere Version des düsteren Manchestersounds. Ihre schmissige LP bleibt aber eben auch sofort im Ohr kleben. Das ging bei Interpol auch mal. Auch „I Love You But I’ve Have Chosen Darkness“ haben es mit Fear Is On Our Side deutlich besser gemacht. Auch sie eine Band, denen der Interpol-Nimbus fälschlicherweise anhängt. Möglicherweise braucht Our Love To Admire noch Zeit, noch ein paar Durchläufe. Etliche vielleicht. Aber das Cover sieht wirklich toll aus. Nur davon habe ich auch nichts, wenn sie im Regal steht, und dort wandert sie jetzt hin.