Es gibt Bands die gefallen. Die gefallen von der ersten verdammten Note. Sie gefallen allen, man merkt sich jede verdammte Note. Manche tanzen dann dazu, die Platten werden gekauft und mit hohlen Augen betrachtet man die Band dann irgendwo live, kauft das T-Shirt, geht nach Hause und wartet bis die nächsten Idioten kommen, die genauso klingen wollen (und dann auch werden). Fertig.
Dann gibt es Bands die es einem von Anfang an schwer machen, die einen immer wieder neu in die Irre führen.
Cerbereus Shoal ist eine solche Band. Die Band machte bisher insgesamt gut 11 Langspielplatten – von denen ein guter Teil für mich nicht hörbar waren und sind. Der Band gelang es, einen derartig fragilen bis kranken Sound zu konstruieren, der mir irgendwann nur noch prinzipiell gefiel. Denn grundsätzlich sind Ceberus Shoal einfach gut, weil sie das machen was sie machen, und wie sie es machen. Sie scheren sich um keinerlei Konventionen – mit anderen Worten: Du bist ihnen scheißegal. Die aktuelle Platte der Band heißt „The Land We All Belive In“, und ist kein Fest für die Ohren, nein kein musikalischer Cluburlaub. Eher eine Höllentour über den Wochenmarkt von Basra. Eine Platte die sich ausbreiten muss, und vielleicht wird man wie ich das Ganze am Ende doch nicht verstehen (im Gegensatz zur allerersten LP, welche für mich bis heute eine der besten frühen Post-Hardcore und Pre-Emo Scheiben ist). An dieser Stelle könnte man das Review getrost beenden, würde mir im letzten Moment nicht doch noch auffallen, dass die Überschrift die Platte einer ganz anderen Band verspricht. Ich möchte auf keinen Fall die Lesererwartung kränken.
31Knots ist so etwas wie eine etwas freundlichere Version von Cerberus Shoal – und zwar mal wieder vor allem … prinzipiell! Ich habe 31Knots zum ersten Mal in einem reichlich merkwürdigen Setting gesehen. Die Band spielte nachmittags im hellen auf einem Hardcore Festival. Ich stolperte gelangweilt über das Gelände, nachdem ich mir bereits gute zwei Stunden Bands anhören musste, bei denen man nur Namen hätte austauschen müssen. Das mag alles nicht schlecht sein, aber naja, muss aber eben auch nicht. Aus dem Augenwinkel sah ich dann eine Band, welche schon optisch nicht den anderen entsprechen wollte. Dominierten Tarnhosen das Geschehen, standen nun Mittdreißiger auf der Bühne, die außerordentlich sperrige Musik fabrizierten, die mich bis ganz direkt an den Bühnenrand zog. Etwa eine Woche später befanden sich so gut wie alle Platten der Band 31Knots in meinem äußerst bescheidenen Besitz. Ich muss zugeben, einen ganzen Teil der Platten konnte ich mir nicht in Gänze anhören – an manchen Stellen war die Erfahrung dann doch zu Cerberus Shoal’esk. Ganz großes Kino. Der sperrige, teilweise sehr jazzige Sound der Band könnte eigentümlicher nicht sein. 31Knots schaffen es auf einer einzigen Platte gleich mehrfach zu irritieren. Hat man sich an eine musikalische Gemeinheit gewöhnt, schlagen 31Knots erneut zu. Die Band zeigt dem Ohr mit jedem Song erneut den Stinkefinger. Auf wirklich nichts legen sie sich fest. Mit der LP „Talk Like Blood“ gab es dann doch noch gefälligen Sound, der die Platte schon fast zu rund und trotzdem großartig geraten ließ. Die nachgeschobene „Polemics Ep“ war dann wieder ganz im Sinne des Stinkefingers, und siehe da, mit „From The Days and Nights Of Everything Anywhere“ zeigen 31Knots ihn nun auch wieder. Dabei bleiben sich 31Knots im Konzept treu. Wer vorzeitig ausmacht, der ist angeschissen. Denn zwischen der ganzen sperrigen Verpackung, versteckt die Band, man möge mich entschuldigen, zuckersüße Melodien. Und für diese lohnt es sich einfach jede verdammte Sekunde der Band zu folgen. Man muss sich nur drauf einlassen.
31Knots “From The Days and Nights Of Everything Anywhere” ist auf Polyvinyl Records erschienen. Es lohnt sich! Wirlich!